Wo liegt der Reiz bei Mangas?
Die Begeisterung für Mangas, die sich in den letzten Jahren immer zunehmender und rasanter entwickelt hat,
geht wohl einher mit der geheimnisvollen Art sie zu lesen und zu betrachten. Denn Mangas werden von hinten nach vorn gelesen und von rechts nach links. Was in Japan also der normalen Leserichtung entspricht, wird hier geradezu als mystisch und verborgen angesehen.
Vor allem bei jüngeren Generationen, gibt es eine Neigung zu dieser Darstellungskunst, die in Japan selbst schlicht als "Comic" bezeichnet wird, in anderen Ländern jedoch längst als sinnliche Bilderfolge gilt.
Hinzu kommt die typische Abbildungsweise der Figuren, in ihren emphatischen, gefühlsbetonten Gesichtern und jenen großen, leuchtenden Augen. All dies verführt in eine andere, eine exotischere Welt und die Phantasie wird in all ihren Empfänglichkeiten berauscht.
Auch die Ähnlichkeit zu Holzschnitten früherer Jahrhunderte, die als Vorbilder gelten, machen Mangas zu einer künstlerischen Angelegenheit, nicht bloß zu einem gewöhnlichen "Comic".
Haben also Mangas im Gegensatz zu westlichen Bildergeschichten eine bedeutendere Tradition?
Darf Europa nicht ebenso stolz sein auf seine modernen Karikaturisten wie Daumier es in Frankreich war?
Oder liegt es tatsächlich am japanischen Geheimnis, an seiner erzählerischen Fähigkeit, Bilder noch genauer und leidenschaftlicher darzustellen?
Auch die Verfilmung dieser aufwendigen, bewegten Bildergeschichten trägt zum allgemeinen Manga-Wahn bei.
Denn aus einer Geschichte wird eine ganze Folge, seriell abgefertigt. Das Manga-Phänomen hat sich längst verselbstständigt und verbreitet sich überall in rasender Schnelligkeit. Die Menschen fühlen sich in ihrer Vorstellungskraft und ihrem Hang zum Exotismus darin aufgehoben und es liegt ein Reiz darin Mangas zu lesen, weil man damit auch immer etwas Verborgenes liest.
Die Menschen sehnen sich nach Orakeln, Zaubereien, Geheimnissen - in einer Welt der geordneten Verhältnisse und des Stresses. Mangas bieten eine lyrische und zeichenhafte Entspannung und sie werden zur Gewohnheit.
Japan also, in seiner traditionellen Geschichte, die jedoch immer auch offen war für die Kunst der Moderne, hat sich mit seinen Mangas nicht nur einen sicheren wirtschaftlichen Boden geschaffen, sondern vor allem der Welt eine neue ästhetische Möglichkeit geschenkt : Nämlich die visuelle Erfahrung moderner, japanischer Kunst.
Jedem ist sie zugänglich und vielen wird sie zur beliebtesten Lektüre, die eben nicht in romanform, sondern in rasch zu durchstreifender Weise verfasst und dargestellt ist. Somit ermöglicht man es den Menschen, im Alltag zu einer kulturellen und traditionellen Ästhetik zu greifen.
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